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Wenn dich News und Trends aus der Film- und Werbewelt sowie Video und Inbound Marketing interessieren und du gerne isst und reist, dann mach es dir schon mal gemütlich. Diese Themen und noch mehr sind nämlich in unserem Factory Blog Zuhause.

6 Fragen an den Produzenten: so geht Werbefilmproduktion im Greenscreen!

"Ah, der Spot kommt mir irgendwie bekannt vor!" werden sich einige von euch beim letzten Werbe-Block gedacht haben. Kein Wunder, bei den XXXLutz Österreich Schlafwandler Spots, die seit Weihnachten über die heimischen TV-Geräte flimmern, handelt es sich um ein Remake des beliebten Werbespots aus dem Jahre 2006  - der übrigens auch schon von der Factory produziert wurde.

Doch was für Unterschiede gab es beim Dreh? Was muss ich beim Dreh im Greenscreen beachten und wie wirkt sich der technische Fortschritt des letzten Jahrzehnts auf die Drehtage und die Postproduktion aus? Im Interview gibt es nicht nur Blicke hinter die Kulissen, sondern auch viel technisches Must-Know.

 

 

Gedreht wurde, wie auch 2006 komplett im Greenscreen, die Stadt, in der sich die Familie Putz bewegt, wurde im Nachhinein dazu animiert. Vorstellen kann man sich das als Laie so: am Computer wird eine digitale Stadt gebaut, in welche dann eine fiktive Kamera "reingesetzt" wird. Diese übernimmt die exakten Kamera-Bewegungen, die auch beim Dreh im Greenscreen gemacht werden. Natürlich ist das ein sehr aufwendiges Verfahren: während der Dreh selbst an nur einem Tag geschafft war, dauerte die Postproduktion 5 Wochen. 

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Wir würdest du die Technik des Greenscreens erklären, Thomas? 

Thomas Andreasch: Den Greenscreen verwendet man im Film für Inhalte, die viel Bearbeitung in der Postproduktion erfordern. Diese geht deutlich schneller, leichter und natürlich auch kostengünstiger von der Hand, wenn man bereits beim Dreh den zu ersetzenden Bereich in einer einheitlichen Farbe und Beleuchtung wählt. In der Postproduktion wird dann nämlich dieser Farb- oder Helligkeitswert isoliert und durch die Verwendung von Software durch einen anderen Bildinhalt ersetzt: das sogenannte Keying. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn es gibt einige Tücken, auf die man beim Dreh achtgeben muss!

 

Der Greenscreen war lange blau. Warum ist er nun meistens grün?

2018-12-14 14_55_28-one-simply-does-not-wear-something-that-green-meme.webp (568×335)Thomas Andreasch: Nun, er ist immer noch häufig blau. In erster Linie ist die Vordergrundfarbe ausschlaggebend: so lassen sich grüne Hosen und grüne T-Shirts leichter vermeiden als Jeans oder blaue Shirts. Grundsätzlich gibt es die Keyfarbe aber nicht nur in Blau. Man könnte genau so auf weiß, schwarz oder unserem Factory-Rot keyen, blau und grün haben sich jedoch durchgesetzt - und grün funktioniert heutzutage am Besten. 

Thomas Müllner: Warum Grün am besten funktioniert, hat in erster Linie einen technischen Hintergrund" Die meisten digitalen Foto- und Videokameras arbeiten mit Sensoren, die nach der Bayer-Matrix aufgebaut sind. Der Sensor ist mit einer Art Farbfilm überzogen - ähnlich wie bei einem Schachbrett. Grün ist hier doppelt so häufig wie Rot oder Grün vertreten, genauer gesagt liegt das Verhältnis bei 4:2:2. Dadurch sind die Sensoren für grün doppelt so empfindlich und es werden doppelt so viele Farbinformationen gesammelt. So lässt sich mit grünen Hintergründen auch in der Regel am Besten keyen. Zudem ist Grün die mittlere Farbe im Farbspektrum und liefert deswegen die höchste Abbildungsleistung (Schärfe, Auflösung) für Objektive. 

Bayer_Matrix_Greenscreen_FilmFactory.svgBei der Wahl der Key-Color werden somit immer folgende Vor- und Nachteile abgewägt: der Blue Screen eignet sich besser für analoge Filmaufnahmen, unterscheidet sich sehr stark von der menschlichen Hautfarbe und erzeugt natürlichere Schattenfarben - hat aber ein höheres Rauschverhalten. Der Greenscreen hat die Nase vorne, wenn es um digitale Filmaufnahmen (der heutige Standard) geht, da detaillierte Informationen vorhanden sind. Grün hat auch eine starke Wahrnehmung in der Kamera sowie die höhere Leuchtkraft - deswegen ist weniger Ausleuchtung notwendig.
Doch die Gefahr des Spill Effekts ist zum Beispiel durch Haare oder Hauttöne höher!

 

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Ein weiteres Beispiel für den Einsatz von Greenscreen beim Bank Austria Dreh mit Dominic Thiem

 

Du hast ja vorhin schon von Tücken und Herausforderungen wie dem Green Spill gesprochen, Thomas. Welche gibt es da denn genau und wie kann man sie vermeiden?

Thomas Andreasch: Das lässt sich am Besten gemeinsam mit Thomas Müllner beantworten, denn beim Dreh selbst liegt der Fokus natürlich darauf, das optimale Material für die Postproduktion zu erstellen. Zunächst ist es deswegen sehr wichtig, den Hintergrund einheitlich auszuleuchten. Sonst kann es zum sogenannten Color Spill kommen: dabei handelt es sich um einen farbigen "Schimmer" um das Objekt im Vordergrund. Dieser tritt auf, wenn die Key-Farbe vom Hintergrund reflektiert wird und sich auf dem Schauspieler wieder findet. Besonders anfällig dafür sind zum Beispiel blonde Haare oder weiße Nachthemden. Diesen Color Spill später zu entfernen ist nicht nur zeit- und kostspielig, sondern geht fast immer mit Einbußen bei der Bildqualität einher. 

In der Produktion müssen wir aber auch auf einzelne, reale Versatzstücke zurückgreifen, die direkt bespielt werden. Am besten lässt sich das an einem einfachen Beispiel erklären: der Schatten, den die Darsteller auf diesen werfen, muss für die Postproduktion erhalten werden - er darf also nicht auf den grünen Boden fallen, sonst ist er nachher weg! Ansonsten verliert das fertige Material an Natürlichkeit: die Postproduktion wird aufwändiger und braucht mehr Zeit, während das Ergebnis nicht besser wird. 

Um im Nachhinein die 3D-Stadt stimmig einfügen zu können, müssen alle Kamera-Daten erfasst werden. Welche Optik ist verwendet worden? Welcher Abstand? Wie hoch steht die Kamera? Wo kommt das Licht her? Um dann später "virtuell zu drehen", wie oben beschrieben, müssen alle Parameter wie das Objektiv und die Perspektive exakt wieder hergestellt werden - ansonsten sieht das Ergebnis immer falsch aus.

 

Beeindruckend finde ich den Vergleich von den 12 Jahre alten Spots zu dem aktuellen. Ihr wart ja auch schon 2006 an der Produktion beteiligt. Was hat sich beim Dreh und in der Postproduktion verändert? Welche Unterschiede gibt es von damals zu heute?

Thomas Andreasch: Naja, die Familie ist gewachsen und Älter geworden.... Spaß beiseite: der größte Unterschied ist wohl, dass wir damals noch auf Film gedreht haben. Und natürlich gab es auch massive Unterschiede in der Software, in der wir die 3D-Welt gebaut haben, zum Beispiel in der Rechenleistung dahinter. 
Auch sind heute deutlich mehr Kamera-Bewegungen möglich. Während beim ersten Spot beinahe nur statische Kamera-Einstellungen gewählt wurden, ist heute grundsätzliche jede Bewegung möglich - da gibt es heute keine technischen Einschränkungen mehr, sondern nur noch finanzielle. Schließlich muss für jede Bewegung auch der passende 3D-Hintergrund eingesetzt werden. 
Außerdem ist das Seitenverhältnis heute ein anderes: statt wie damals 4:3 ist heute 16:9 standard.

Thomas Müllner: Die neuen Spots sind natürlich hochauflösend, sprich HD. Dadurch habe ich auch mehr  Pixel-Informationen in der Postproduktion und kann viel genauer keyen. Auch die Programme, mit denen ich arbeite, sind viel besser geworden und werden ständig weiter entwickelt! Und auch die Möglichkeiten bei der eingesetzten 3D Welt ist heute qualitativ auf einem ganz anderen Niveau als vor 13 Jahren. Das fällt im direkten Vergleich natürlich sofort auf:

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Welche Grenzen gibt es beim Greenscreen-Dreh?

Thomas Andreasch: Finanzielle. (lacht) Wie oben bereits erwähnt, muss vor dem Dreh exakt abgestimmt werden, welche Kamera-Bewegungen man machen kann, ohne dass die Postproduktion zu aufwendig, sprich teuer, wird.

 

Last but not least: Nicht nur in der Produktion gab es damals und heute große Unterschiede - auch die Branchen-Wahrnehmung der Wirkung von TV-Werbung hat sich sehr verändert.
Wie siehst du das? 

Thomas Andreasch: Ja, tatsächlich werden einige "Fachmänner" nicht müde, den TV-Tod vorauszusagen. Auf den zweiten Blick sieht man dann häufig, in welcher Branche derjenige sein täglich Brot verdient. So kam es zu einem der größten Missverständnisse in der Werbung: TV oder Online? Tatsächlich ist es so, dass die beiden Kanäle gar nicht ohne einander können. Denn es ist ja so,  dass es heute eine Vielzahl an TV-Kanälen gibt - und nicht einen einzigen, der dein Produkt garantiert an die Zielgruppe verkauft. Um es also mit ganz einfachen Worten zu sagen, ist Online ein weiterer Kanal, der bedient werden muss. Wer sie gegeneinander duellieren lässt, zum Beispiel bei der Budget-Planung, kann gar nicht "das Beste aus beiden Welten" bekommen. Dabei wäre es doch so einfach: während das Fernsehen auch heute noch mit Abstand der Reichweiten-Garant Nummer 1 ist, kann man online die Customer Journey fortsetzen und perfekt an den potenziellen Kunden anpassen und personalisieren - zum Beispiel mit Online Videos und Marketing Automation
Statt nun ein weiteres dramatisches Untergangs-Szenario herauf zu beschwören, argumentiere ich lieber ganz pragmatisch mit belegbaren Zahlen und schlüssigen Argumenten: TV und Online haben gar nicht so viele Unterschiede, wie häufig angenommen wurde. Sie beide arbeiten nach ähnlichen Parametern wie dem Fokus auf Qualität und einem belegbaren ROI.

 

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Credits: 

Kunde: XXXLutz
Agentur: DMB 
Regie: Markus Engel
DoP: Thomas Kiennast
Postproduktion: Film Factory // Digital Light Factory

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